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Erst der Abpfiff, dann die Schwalbe

Profifußball plus beim Pokalspiel der D1 in Reichenbach

TSV 05 Reichenbach - FCG D1 1:2 (1:1)

(BJH) Die Profis sieht man bei Fritz-Walter-Wetter schnell mal lange Unterwäsche tragen. Vielleicht, damit die Grasflecken beim „Diven“ nicht die Tattoos verunglimpfen – die Friedrichstaler machen es wie ein Profi plus: Vor dem Spiel wird sich ungehört der Elternproteste im aufkommenden Regen der wärmenden Unterwäsche entledigt und – aber eins nach dem anderen.

Während die zuschauenden Eltern die Schirme öffnen – bewundernswert ausgefallene Modelle darunter - dopt sich der ein oder andere Spieler vor Anpfiff mit Nüssen, denen ja eine positive Wirkung auf das Gehirn nachgesagt wird. Schließlich köpft der Profi plus nicht nur den Ball ins Tor, er denkt mit dem Organ auch noch die Spielzüge voraus.

Das Pokalspiel ist schnell, liefert dem Zuschauer viele Zweikämpfe, Ecken und Freistöße. Der Führungstreffer gelingt Reichenbach in der zehnten Minute durch einen Konter. Dann arbeitet Friedrichstal hart am Ausgleich, der Reichenbacher Torwart hält zunächst, aber dann köpft (Nüsse und so) ein Friedrichstaler nach Freistoß den Ball dorthin, wo er aus seiner Sicht hingehört. Ausgleich. In der Spielübertragung (WhatsApp Liveticker) für die, die dem Spektakel nicht beiwohnen können, schleicht sich in der Eile des Tippens der Fehler „Freustoß“ ein, der es aber bestens trifft. Auf der Bank reden sie davon, dass sie Bock auf Verlängerung haben, dabei ist noch nicht einmal die erste Halbzeit zu Ende. Aber die Minuten fliegen dahin wie der Ball hin und her. Der Friedrichstaler Trainer impft den Jungs auf der Bank vor Einwechslung ein: „Ich will Abschlüsse sehen“, während der Reichenbacher Trainer seinen Spielern zuruft: „Aufwachen“, was sie auch tun. Friedrichstal vergibt die Chancen zur Führung, die zweite Halbzeit muss die Entscheidung bringen.

Im Halbzeitgespräch wendet sich der Germanentrainer – für Fußballsprache ungewöhnlich – in ganzen Sätzen an seine Spieler, darunter der eine Satz, der es vielleicht ausmacht. Es dauert zwar etwas und die Germanenfans müssen sich schon fragen, warum ihre Helden nicht mal schießen – „Einfach schießen!“ – wenn sie da so (oft) vorm Reichenbacher Torwart Station machen, aber bald soll es gelingen. Die Reichenbacher Fans bestätigen ihrem Trainer, dass er das richtig gemacht hat mit dem Abwehrtraining.

Im weiteren Verlauf zittern die Germanenfans, beide Mannschaften wollen was, das ist anstrengend. Aber spannend und kurzweilig. Der Friedrichstaler Torwart ist gefordert und hält. Endlich, im letzten Drittel der zweiten Halbzeit gelingt dem FCG der Führungstreffer. Schön durchgesteckt und vom Mitspieler verarbeitet. Profi plus halt. Danach beginnen die längsten Schlussminuten seit Kroos Befreiungsschlag bei der letzten WM. Und um an die Einleitung dieses Artikels anzuknüpfen: … und erst nach dem Spiel kommt die Schwalbe geflogen. Was heißen soll: die Sieger rutschen klinsmannähnlich übers nasse Gras und die Eltern rufen sich zu: „Wer muss dieses Mal Trikots waschen?“ 




PS: Wie der eine Satz lautete?

Die Redaktion nimmt Vorschläge gerne an. Wer nah dran ist am wirklichen Wortlaut, gewinnt freien Eintritt zu den Spielen der D1.