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Mathe unter freiem Himmel

FCG D1 - SSV Ettlingen D1 3:2 (2:0)



(BJH) Unter Sprühregen, der sich nicht entscheiden kann, ob er die Wangen kitzeln oder doch noch richtig loslegen will, beginnt das Ligaspiel des SSV Ettlingen gegen den FC Germania Friedrichstal, das dem Zuschauer heute die Bundesliga ersetzen wird.

Von Beginn an geht es zur Sache, „Jede Möglichkeit nutzen“ befiehlt der Germanentrainer und „Einfach mal schießen“. Einfach? Ach was, heute wird gerechnet, heute wird berechnet, scheinbar nach mathematischen Regeln Fußball gespielt: Entlang der Linie, diagonal, das Runde muss ins Eckige – wenn diese Kommandos von außen mal keinen Geometrieunterricht darstellen sollen!? Und hatten die Spieler vor Anpfiff nicht auch einen Kreis gebildet? Auf dem Feld herrscht eine Spielfreude, auf die jede altertümliche grüne Tafel neidisch geworden wäre. Die Spieler werfen sich voll konzentriert Zahlen an die Köpfe: „Die 14, die 7, die 3!“, was mitunter zu guten Spielzügen, Abschlüssen und Toren führt. Jeder Mathelehrer wäre begeistert ob des Verständnisses für Zahlen oder auch von Raum und Zeit. Und da ist dann auch gleich der Physikunterricht mit dabei.

In Minute 7 fliegen die ersten Handschuhe ins Aus, in Minute 10 wird ein Friedrichstaler Verteidiger verletzt und muss ausgewechselt werden, in Minute 21 fällt das 1:0, kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit fällt das 2:0. Der Regen gibt auf, ab Halbzeit zwei spielt kaum noch einer mit Mütze, der Germanentrainer geht mit Aufforderungen wie „Zieh ihm die Hosen aus“, sogar noch weiter. Aber die behalten alle an, vorneweg die Friedrichstaler, die auch die schnellen Tore zum 1:2 und 2:2 wegstecken. Erstaunlich, Ettlingen steht in der zweiten Halbzeit mit einer hochmotivierten Mannschaft auf dem Platz, die in der Pause die Trainerfrage aus Halbzeit eins „Wollt ihr gewinnen?“, wohl für sich bejaht hat. Aber das wollen die Friedrichstaler auch, weshalb das Spiel dann irgendwann an Spannung nicht zu überbieten ist. Als die Ettlinger vor dem Friedrichstaler Tor etliche Male aus der Nähe versuchen, den Ball (Geometrie: Das Runde ins Eckige) zu platzieren, ist das Geschrei der Zuschauer kaum von Geisterbahnbesuchern zu unterscheiden. Dann erreicht Friedrichstal durch einen Konter und einer schnellen One-Touch-Kombination das 3:2 und die Höhe der Laute von außen, die keine einzelnen Worte mehr erkennen lassen, erreichen ihren Höhepunkt. Welche Boyband spielt heute? Das 3:2 soll dann auch der Matchball gewesen sein, wenngleich er eher einem Matschball gleicht. Weitere Gleichungen spart dieser Bericht nun aus, jede Mathestunde findet ihr Ende. Auf jeden Fall hat das Spiel heute bewiesen, dass man unter freiem Himmel und vor allem in Bewegung bessere Leistungen erzielt als beim Rumsitzen. Denn wie sagten schon die alten Griechen: Gehen fördert das Denken. Und Tore schießen fördert das Gewinnen. Note 1 geht heute an Friedrichstal.