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Ein Foul zuviel

Wenn die Bundesliga flach li(e)gt



(BJH) Was braucht man zum Fußball? Schnelligkeit und Körper. Körperkontakte soll man dieser Tage meiden, und da Ballkontakte unweigerlich zu Körperkontakten führen ist es nun aus mit dem Fußball – vom Bambini bis zum Profi, endlich sind alle gleich. Gleich frustriert. Was nun? Fifafernbedienung desinfizieren, Playstation und Hirn einschalten und los geht’s. Besser mit Sicherheitsabstand – Couch/Bildschirm mindestens einen Meter  ̶   denn im 3-D-Zeitalter spuckt am Ende der Gegner aus dem Bild auf den Spieler ohne Schirm wie sonst der ungehaltene Fan, der von der Tribüne leere Plastikbecher wirft. Fußball mit Hirn also. Mal was Neues. Obwohl. Rudi Assauer sagte: „Zu meiner aktiven Zeit haben die Doofen Fußball gespielt, heute haben auf Schalke zwei Drittel der Spieler Abitur.“ Wer also Bildung genossen und Kopfbälle gelassen hat, setzt sich durch in Fifa. Weiter kommt, wer im virtuellen Laufduell einzelne Zellen nicht an den Gegner verliert. Wem Fifa zu indoor ist, der besucht jetzt am besten mal den Lotharpfad. Stichwort: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“ Oder für die Fremdsprachler: „I look not back, I look in front.“ Aber ist das Fußball? Und über was soll man schreiben, wenn keiner mehr Sätze sagt wie: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“? (Italien, muss das sein? *Anmerkung der Redaktion). Sogar der Ministerpräsident von Baden-Württemberg bedauert eine Welt ohne Fußball an erster Stelle – noch vor dem ausfallenden Opernbesuch. Anders gesagt: Ein Opernball ohne Ballkontakt ist wie eine Schwalbe ohne Stürmer. Wo gibt es nun den Zweikampf? In der Ehe, wenn plötzlich Zeit ist, sich zu unterhalten? Wer liefert den Videobeweis? Tellerwerfen aus elf Metern Entfernung? Und wo ist das Tor?

Bleibt aber die Frage: Welcher (Schieds)Richter hat hier abgepfiffen und die Welt des Fußballs angehalten? Eine Welt, die nach anfänglichem Zweifel vor paar Jahren bewiesenermaßen rund ist und nun aneckt – ja womöglich am Schlusspfiff. Zu oft getreten wehrt sich der Ball.