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Corona-Amateurfußball

(WH) Die Stuttgarter Kickers werden mir immer sympathischer. Man hat gerade auf eine Ausnahmegenehmigung verzichtet, als Oberligist trainieren zu dürfen, weil andere Mitkonkurrenten dieses Recht zum Training nicht erhielten. Vereine in der OL sind irgendwie im Zwischenstadium, halb Profi, halb Amateur, die meisten Spieler werden wohl Verträge haben. Ihr Trainer Ramon Gehrmann hat ja vor kurzem bundesweit für Aufsehen gesorgt, als er sein Team bewusst ein Eigentor schießen ließ, nachdem zuvor der Gegner einen Nachteil hinnehmen musste. Ein wohltuendes Geschehen in der Fußballwelt des großen Profits, des Erfolgs um jeden Preis und des puren Egoismus. Fairplay in höchster Vollendung, das ist kaum noch zu finden. So eine Grundhaltung droht auszusterben, genau wie das Ehrenamt!

In unserer Oberligazugehörigkeit hatte der FC Germania ein sehr gutes Verhältnis zu den Kickers, nicht als Punktelieferant, sondern weil sich die Fans bei uns so wohl fühlten und unsere ehrenamtlichen Helfer bei der Bewirtung seinerzeit über sich hinausgewachsen sind. Die Fans der Kickers haben uns sogar im Mittelkreis des Spielfelds eine Auszeichnung überreicht! Ja das gab es im „Amateurfußball-Olymp“ von Baden-Württemberg.

In der 2. abgebrochenen Corona-Saison kämpft unsere Erste in der Verbandsliga Baden 20/21 um den Klassenerhalt. Die Älteren erinnern sich, dass wir 1990 nach zwölf Jahren Verbandsligazeit abgestiegen sind und dann bis zur A-Klasse durchgereicht wurden. Das ging an die Substanz des Clubs und der Vorstandsposten war noch „heißer begehrt“ als heute. Wieder „hochzuklettern“ ist sehr schwer gewesen. Das hat sich ein paar Jahre hingezogen, bis 2006, dann war wieder die höchste badische Liga erreicht und sogar die Oberliga. Insgesamt heißt das, dass der FC Germania nun - wie mehrfach erwähnt - im Jahr 2020 in der Jubiläumssaison spielt: 25 Jahre Verbandsligazugehörigkeit!

Vielleicht ist die aktuelle Corona-Unterbrechung ganz gut für unsere junge Mannschaft und bei der Saisonfortsetzung sollte sie mit viel Elan versuchen, die Klasse zu halten, obwohl zahlreiche Leistungsträger uns verlassen haben. Ein Abstieg in die Landesliga wäre aus meiner Sicht kein Beinbruch, vielleicht sind dort junge Spieler besser zu integrieren.

Die BNN hat ja gerade eine Umfrageaktion gestartet, wieviel Geld Amateurfußballer bekommen und was Mäzene alles unternehmen, um gute Spieler und junge Talente „einzufangen“. Ob da ehrliche Antworten an die Öffentlichkeit kommen?

Ein ganz herzlicher Dank geht an alle ehrenamtlichen Helfer, die Verwaltung, die Grüntruppe, an einige fleißige Ehrenmitglieder, unsere Betreuer, an alle Spieler, die dem FC Germania die Treue gehalten haben, an die Jugendleitung und vor allem an unseren Vorstand Stephan Jacobsen, der den Club in ganz schwierigen Zeiten leitet!